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02 August 2010

Kartierung Fimbertal, Geologischer Überblick

Das Kartiergebiet liegt im Südwesten des Engadiner Fensters. Dieses SW-NE streichende, tektonische Fenster hat eine Ausdehnung von 55 km Länge und 17 km Breite. Die südöstliche Begrenzung des Fensters bildet die Engadiner Linie.
Im Tertiär führte nördlich der Periadriatischen Naht die anhaltende Einengung des Alpenorogens mit dem Südalpin als Indenter zu seitlicher Extrusion. Das führte zur West-Ost-Dehnung der Alpen. Gleichzeitig bildeten sich metamorphe Dome wie das Engadiner Fenster. Durch die Ausgleichsbewegung (E-W-Dehnung) wurde die ostalpine Oberplatte aufgerissen. Durch Aufwölbung und anschließende Erosion treten heute im Engadiner Fenster die tiefer liegenden penninischen Einheiten zutage, die von ostalpinen Einheiten umrahmt werden.
Das Engadiner Fenster wird vom Ostalpin im Nordwesten von der Silvretta-Decke, im Osten von der Ötztal-Decke und im Süden von der Scarl-Decke begrenzt. Das Fensterinnere wird von den Bündnerschiefern des Walliser-Trogs gebildet, die lokal Ophiolithe enthalten. Am SW-Rand sind über den Bündnerschiefern die Tasna-Decke (Brianconnais-Schwelle), ein etwa hundert Meter breiter Streifen Arosa-Zone (Piemont-Ligurischer Trog) und die Silvretta-Decke (Oberostalpin) aufgeschlossen.

Geologische Übersichtskarte des Engadiner Fensters (Zimmermann 1999).
Literatur
Zimmermann, B., 1999. Tektonometamorphe Entwicklung von Tasnadecke und Bündnerschiefern zwischen Val Chöglias, Val Fenga und Val Laver. Diplomarbeit, Uni Basel, Schweiz.

Kartierung Fimbertal, Geografischer Überblick

Das Arbeitsgebiet liegt im Kanton Graubünden (Schweiz) im Grenzgebiet zwischen Schweiz und Österreich. Der Zugang ist von Norden her über Ischgl (Österreich) möglich.
Die Grenzen bilden im Westen die Krone (3187 m) und der Piz Faschalba (3048 m), sowie im Osten der Piz Davo Lais (3027 m) und der Piz Laver (2883 m). Zentral befindet sich die Breite Krone mit einer Höhe von 3079 m.
Das kartierte Gebiet hat eine Fläche von etwa 3,5 km2. Die Aufschlüsse beginnen bei etwa 2600 m und liegen oberhalb der Waldgrenze.
Topografische Übersichtskarte des Kartiergebiets im Fimbertal  (Nr. 26, Alpenverein).
Blick vom Piz Davo Lais auf Piz Faschalba, Breite Krone, Bischofspitze, Kronen Joch und Krone.
Das Kartiergebiet lag komplett über der Vegetationsgrenze, gerne auch auf Augenhöhe mit Wolken.
Die Heidelberger Hütte (2264 m) unsere Unterkunft. Am Ende gab es ein kleineres Wetterproblem :) .

04 November 2009

Regionalgeologischer Überblick - Alpen

Die Alpen sind ein Gebirge im Süden Zentraleuropas. Die heutige Struktur ist die Folge einer Reihe von tektonischen Prozessen, die sowohl Extensions- als auch Kompressionsregime, Subduktion ozeanischer Kruste und die Kollision kontinentaler Blöcke beinhalteten. Es gab zwei orogene Phasen. Die eo-alpine (frühalpine) Orogenese fand vom späten Jura bis zur oberen Kreide statt und ist auf die Schließung des Meliata-Ozeans zurückzuführen. Die eigentliche Gebirgsbildung erfolgte im Tertiär und ist das Produkt der Schließung der alpinen Tethys zwischen Apulia und Europa.

Vereinfachte, geologische Karte der Alpen mit den wichtigsten, tektonischen Einheiten
(Bahlburg & Breitkreuz 2004, nach Schmid et al. 1996).

Die Alpen sind kein Faltengebirge, sondern ein Stapel aus allochthonen Falten und Decken. Durch die Annäherung und Kollision der afrikanischen mit der europäischen Platte wurden Decken übereinandergeschobenen, wobei die ursprünglich am südlichsten abgelagerten Schichten (Ostalpin mit Südalpin) heute auf das nördlicher gelegene Penninikum und Helvetikum verschoben sind. Das Ostalpin und Südalpin stellen Teile des afrikanischen Kontinents (Apulia) dar. Das Penninikum bildete sich aus jurassisch bis kretazischen, in einem Dehnungsregime entstandenen Ozeanen (Valais- und Piemont-Ligurischer Ozean) und kontinentalen Einheiten (Brianconnais). Das Helvetikum entstammt vom Rand des europäischen Kontinents.
Die Grenze zwischen Ostalpin und Westalpin auf der einen und dem Südalpin auf der anderen Seite bildet eine etwa 700 km lange Verwerfung, die Insubrische Linie oder Periadriatische Naht. Sie entstand durch die anhaltende Einengung des Alpenorogens mit dem nach NW driftenden Südalpin (Apulia) als Indenter, wodurch die Alpen nördlich der Periadriatischen Naht als Ausgleichbewegung mit seitlicher Extrusion reagierten. Das führte zur heutigen West-Ost-Erstreckung der Alpen.
Im Exkursionsgebiet fallen nördlich der Insubrischen Linie die penninische Einheiten (Sesia Decke) steil gen NW ein und werden so vom südalpinen Krustensockel abgegrenzt.


N-S Schnitt durch die Alpen (Bahlburg & Breitkreuz 2004, nach Schmid et al. 1996).

Literatur
Bahlburg, H. & Breitkreuz, C., 2004. Grundlagen der Geologie, Elsevier München.
Bögel, H. & Schmidt K., 1976. Kleine Geologie der Ostalpen. Ott Verlag, Thun.
Frisch, W., 1979. Tectonic progradation and plate tectonic evolution of the Alps. Tectonophysics 60, 121-139.
Schmid, M., Fügenschuh, B., Kissling, E. & Schuster, R., 2004. Tectonic map and overall architecture of the Alpine orogen. Eclogae geol. Helv. 97, 93-117.

Locarno (Schweiz) - Programm

06. Juni: Abfahrt Bonn 7h. Fahrt über Hockenheim – Karlsruhe – Basel – Flüelen (Aufschlüsse der Helvetischen Decken) – Locarno. Übernachtung: Campingplatz „Campeggio Bellariva“, Gordevio (Schweiz).
07. Juni: Maggiatal bei Gordevio – Fahrt nach Nivetta (Übung im Val Cannobina) – Finero (mehrere Aufschlüsse) – Rückkehr nach Gordevio.
08. Juni: Fahrt zu den Monti di Ronco (Strukturübung) – Wanderung entlang der Straße von Ronco gen Monti di Ronco – Rückkehr nach Gordevio.
09. Juni: Fahrt zur Staumauer im Valle Verzasca – Lavertezzo (Strukturübung) – Schlucht von Ponte Brolla – Rückkehr nach Gordevio.
10. Juni: Fahrt Gorduno – Bedretto – Wanderung zur Alpe Arami – Rückfahrt nach Bonn.

Karte mit Exkursionspunkten.